My personal nightmares: GUTE VORSÄTZE!!

27.12.2017

Gestern Nacht habe ich unruhig geschlafen. Das kenne ich von mir normalerweise nicht. Um genau zu sein, habe ich mir durch meine Jobs beim Fernsehen und auf der Bühne angewöhnt, immer und überall tief und fest zu schlafen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Und zack - um 2:30 Uhr war ich hellwach, schweißgebadet und recht orientierungslos in dem, was ich mir für 2018 wünsche... und auch das ist ungewöhnlich für mich... Ziellos an Silvester? AAAAAAAH!!

Ziele-Workshops und Webinare über Visualisierung... hilfe!

Wie viele Bücher, wie viele Trainer, wie viele kostenlose Online Webinare hast Du schon gesehen, gehört und gefühlt, in denen Dir Autoren und Studierte eines ans Herz legen: Formuliere Deine Ziele, Träume und Visionen! Hab was vor! Sei detailliert. Lerne endlich wieder, Dir etwas zu wünschen. Ziele sind sooooo wichtig.

Und da Silvester hierzulande der Augenblick ist, an dem sich laut Medien und Presse Hunderttausendschaften gute Vorsätze gönnen, ist das auch High Noon, Showdown, Tag X für diese Liste. Du weißt schon. Für diesen Plan Deines neuen Jahres.

Puuuuh, war mir Bange. Selbstverständlich haben Florian und ich schon Ideen gesammelt. Selbstredend haben wir als NLP-Trainer, Kommunikations-Pro's und Traumpaar alles mögliche vor. Große und kleine Projekte - beruflich und privat.

Sylvester - der tag-gewordene Albtraum für Orientierungslose...

Und wer hat sich ausgedacht, dass an EINEM bestimmten Tag im Jahr nichts wichtiger ist, als die Zukunft? Ich bin echt ins Grübeln gekommen.

Gaaaaaanz leise hab ich mich aus dem Bett geschält, um den Herzensmann neben mir nicht zu wecken und mich ans Fenster gesetzt.

Keine Sterne. Verhangen und regnerisch. Das Universum ist wie immer zu Scherzen aufgelegt. Im Inneren, wie im Äusseren, würde ich sagen. In meiner Seele graue, dicke, tränenversunkene, nebulöse Regenwolken - und draußen auch. Meine Gedanken formten sich zu kleinen Jammergnömchen, die heftig miteinander diskutierten, warum ich nicht mehr weiter schlafe und wie nun das neue Jahr werden soll und was wirklich zählt und ob das Leben einen Sinn hat und wenn ja, wie viele.

Ein seltener Miri-Augenblick - und ich schwankte zwischen: "Das ist ja spannend, soll ich das jetzt einfach mal genießen?" oder "Weiche, Unhold (der ja deutlich ich selbst war, war ja sonst keiner da...), ich möchte zurück ins Bett!"

Klar hat "Miri" Ziele - ich bin Profi

Im Geiste über mir waberten in goldenen Buchstaben, von "Halleluja" singenden Engelschören begleitet, die von mir in poetischster Formulatur niedergedichteten Miri-Vorsätze für das kommende 365-Tage-Gebilde:

Noch mehr Zeit mit meinem Traummann und den beiden herrlichen Wikingern verbringen, mehr Zeit für Entspannung, viele tolle Seminare geben, reisen, den ersten Grimme-Preis für eine Homeshopping-TV-Show ersenden, mit den Kindern im Meer planschen und auf die höchsten Berge klettern, mehr künstlerische "Nebenbeschäftigung", spannende Firmenprojekte, mich mit vielen Sprachzauberern zum Kaffeetrinken treffen... ich konzentrierte mich hart auf die Liste all der tollen Dinge, die ich für 2018 bereits in meine kleine, schwarze Kladde notiert hatte.

In diesem Moment vor dem Fenster half das alles nichts. Nichts konnte mich von diesem melancholischen Gefühl, dass irgendwas mit diesem HAU-RUCK-ZIELE-DEFINIEREN nicht stimmte, abbringen.

Ich meine - hey - immerhin habe ich Ziele.

Das ist schon mal besser als nichts.. oder?

Brauchen Menschen wirklich genau definierte Ziele?

In meinen Coachings sitze ich täglich vor Menschen, die wahlweise beruflich und privat überhaupt nicht mehr träumen oder visionieren, sondern verzweifelt glauben, alles sei aus.

Es ist übrigens in Coachings nie aus, sonst wären es ja keine Coachings, sondern Trauerfeiern im Kreise der Familie.

Und neulich machte mich ein buddhistisch orientierter Freund darauf aufmerksam, dass es viiiiiel wichtiger sei, im Hier und Jetzt zu sein, sehr wach den Augenblick zu studieren und aus ihm die Kraft für alles zu ziehen, was gerade sein soll.

Autsch.

Voll philosophisch und wenn der Augenblick mitten in der Nacht und deutlich tränengesalzen ist... WAS DANN??

Fragen an Dich, liebe Leserin, lieber Leser:

Ich quälte mich mit ganz anderen Gedanken durch die fortgeschrittene Schlafenszeit. Deshalb meine Fragen nun an Dich, lieber Leser, liebe Leserin:

Welche Vorsätze wirst Du Dir für das neue Jahr wieder auf die Flagge Deines Lebens pinnen? Auf das Segel sticken, das Dich durch das Meer eines neuen Jahres trägt? Auf Dein T-Shirt drucken? Mit Magnetbuchstaben an den Kühlschrank typen? Welche "Techniken" wendest Du dabei an? Träumst Du überhaupt? Oder ist das eh alles nicht wichtig für Dich, das mit den Vorsätzen?

Und wenn doch: Welche Vorsätze für das vergangene Jahr hast Du tatsächlich umgesetzt? An welchen Stellen kannst Du jetzt, kurz vor der böllerbissigen Neujahrsnacht, Erfolge vermelden?

Und welche Hebel gibt es, um diesem "Planen" und dann "Doch nicht umsetzen" zu entgehen?

Erst mal einatmen...

Ich hab erst mal geatmet. Voll die gute Idee übrigens, denn viele Menschen neigen dazu, in stressigen Situationen sehr flach oder gar nicht mehr zu atmen. Das wiederum erzeugt Sauerstoff-Knappheit im Kopf und dieser Aggregatzustand KANN keine guten Lösungen hervorbringen. Das ist neuro-wissenschaftlich nachgewiesen worden. Und auch einfach beobachtbar.

Atmen ist also prima.

Eine Trainerin hat mir mal gesagt: "Miri, ein Atemzug ist IMMER im Hier und Jetzt. Er kann nicht bereits stattgefunden haben und wird auch nicht erst stattfinden. In dem Augenblick, in dem Du Deinen Atemzug in den Bronchien und in den Lungenflügeln spürst, hast Du die Gegenwart inhaliert."

So einfach ist das.

Nachdem mein Neokortex wieder ausreichend mit Sauerstoff angereichert war, atmete ich noch mal. Einfach für den Überfluss. Ja, ich würde 2018 weiter atmen. Und das war die erste gute Nachricht in der gestrigen Nacht. Und ich hab mich sogar kichern hören.

Jetzt wird's revolutionär... ;-)

Dann dachte ich ein wenig weiter und in mir baute sich so etwas auf wie: "Schei... auf die Verwissenschaftlichung des Visionboards, schei... auf die Strategien zur Finde und Verwirklichung von Zielen, schei... auf diesen Satz "Sie müssen nur wollen, Frau Deforth!". PAH!

Ich muss gar nichts. Schon lange nicht mehr. Ich lebe ein wunderschönes Leben. Einzelheiten brauche ich hier gar nicht anführen - die sind in meinem TV-offiziellen Fall sowieso überall recherchierbar. Ja, an der einen oder anderen Stelle ist noch Luft nach oben - und das ist großartig. Denn wenn jetzt schon alles stimmen würde, wenn in "Miri's kleiner Welt" alles perfekt wäre, ja, wozu sollte ich denn dann noch weiter atmen? Hm??! Jemand einen wirklich guten Grund, außer, dass noch was geht?! Eben!

So, und jetzt kommt die Revolution. Zumindest für mich. Denn ich weiß, dass einige meiner Trainerkollegen an dieser Stelle reingrätschen würden, wäre es IHR Blogpost. Und es ist meiner! Deshalb schreib ich, was ich will!

Hier kommt's:

Es ist auch okay, dem Wunschpunsch für die Neujahrsnacht eine Prise "Großartige Überraschung" beizumischen!

Ja, ich kann vieles planen und es ist aus meiner Sicht gesund, dass Du Dir gute Gedanken über Deine Zukunft machst. Und der feste Glaube, dass das kommende Jahr ein klitzekleiner Komiker ist, der gerne mal mit einer manifesten, tollen Überraschung aus dem Busch hüpft, an dem Du gerade vorüber gehst - ja, dieser Glaube gefällt mir.

Denn (diese Stelle ist jetzt für die Profis gedacht): MIRI kann ja nur planen, was gerade IM RAHMEN von Miri's Möglichkeiten DENKBAR ist.

Wenn ich davon ausgehe, dass es da draußen und im nächsten Jahr irrsinnig phantastische Geschehnisse gibt - kleine und große Wunder - die mir gerne widerfahren wollen, würde ich diese gedanklich doch ausschließen. Weil ich sie mir aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen gar nicht vorstellen kann... theoretisch? Oder??

AAAAH!

Das kommt gar nicht in Frage!

Ich denke logischerweise nur soweit, wie mein Gehirn das bis jetzt kann...

Strikte Fokussierung auf das, was ICH für möglich oder in etwa möglich halte... hm... das klingt nach Grenzen.

Oder nach dem Übersehen der vielen magischen Möglichkeiten am Wegesrand.

Das Jahr 2017 hatte mich da schon besseres gelehrt und mich ungefragt positiv überrascht. Manchmal hat es mich beinahe überrannt mit tollen Möglichkeiten. Und die waren fast alle nicht geplant. Zumindest nicht von mir.

Ich flippte fast aus vor Glück, als ich diesen Gedanken letzte Nacht zu Ende gedacht hatte. Coooool!

So, und nun?

Sollte ich meine kleine schwarze Kladde mit den tollen Ideen für 2017 schnell draußen auf dem Hof in einem epischen, selbstausgedachten Ritual dem Gott des Feuers opfern?

Nein.

Meine Wünsche und Pläne für das kommende Jahr sind schönen Gedanken - die möchte ich behalten.

Und gleichzeitig werde ich für das kommende Jahr etwas ganz neues machen. Ich kaufe mir ein zweites Buch!

Das zweite Buch

Ein schönes Buch.

Hübsch eingebunden.

Vielleicht in echtes Leder.

Mit meinen Initialen darauf.

So eines bekommt eine meiner Kolleginnen bei QVC immer von ihrem Herzensmann zu Weihnachten geschenkt... Deshalb weiß ich, wie wunderschön diese Bücher sein können.

Und dann?

Dann schaue ich mir in der Neujahrsnacht die leeren Seiten dieses Buches an. Ich fühle sie. Sie sind aus gutem Papier. Es ist griffig und ein bisschen fester, als normales Papier. Weiß. Keine Linien oder Karos. Vollkommen leer, denn die Zukunft hat die Seiten noch nicht beschrieben. Die Zukunft beginnt gerade erst.

Die Seiten sind also leer.

Und Sie duften ein wenig nach dem exzellent gegerbten Leder des Einbands.

Dieses Buch wird sich erst im Laufe des Jahres 2018 füllen. Es wird das Buch der "Tollkühnen Überraschungen", die meinen Weg pflastern. Magische und weltliche Augenblicke werde ich darin vermerken - und immer mit dem Datum, der Uhrzeit und dass ich mich niemals getraut hätte, solch tolle Dinge zu denken! Juchhuuuuh!

Ziellos an Silvester? Ich nicht. Voller Aufregung und Freude, wie viele ich von meinen Ideen umsetzen werde UND wie sehr mich das neue Jahr in tolle, großartige Überraschungen hüllen wird.

Eine großartige, schlaflose Nacht!

Geschlafen habe ich dann übrigens nicht mehr. Ich war zu aufgeregt. Zu glücklich. So mit mir vor dem Fenster. Und wie immer: Es hatte dann tatsächlich aufgehört zu regnen. Ein paar kleine Wölkchen durchzogen den ansonsten schön satt-dunklen Nachthimmel und zwischen ihnen lurten drei... nein vier... fünf Sterne hervor.

Ich braute mir einen Kaffee und begann dieses Blogpost zu schreiben. Ein guter Augenblick dafür.

Frohes, neues Jahr, Ihr Lieben.

Miri