Verpasste Gelegenheiten? Neueste Forschungen sagen: Die gibt's gar nicht!

14.03.2018

Jeder von uns kennt sie. Diese besonderen Gelegenheiten. Geflügelte Worte wie "Da war ich am passenden Tag am passenden Ort", oder "An dem Tag hatte mir das Glück den Hintern gepudert." (heißt das wirklich so?). Und anders herum natürlich auch. "Hätte ich da nur mal zugegriffen", oder "Das war mal eine verpasste Gelegenheit".

Und viele, viele Menschen, mit denen ich mich unterhalte oder die zu meinen Coachings kommen, erzählen mir vor allem von letzterem. Da war sie, die Chance den Traumberuf zu ergreifen, das richtig gut bezahlte Projekt anzunehmen, den Traumpartner kennen zu lernen, die wunderbare Reise zu machen, das Traumauto für einen "Appel und ein Ei" zu kaufen, mit einem Menschen Frieden zu schließen, die Krankenversicherung zu wechseln, im Lotto zu gewinnen und dann:

Vermasselt.

Abgelehnt.

Verpasst.

Zu spät davon erfahren.

Zu viele Bedenken.

Menschen um Dich herum rieten davon ab.

Gar nicht bemerkt.

Und scheinbar kommt es sehr häufig vor, dass Menschen irgendwann in ihrem Leben (oder auch öfter) plötzlich denken: Mist. Hätte ich das doch damals, eben gerade, vorhin, gestern gemacht. Oder gelassen.

Übrigens: Das Thema für dieses Blog-Post wurde mir von einer Arbeitskollegin geschenkt. Wir verstehen uns gut und ich liebe die Feedbacks, die sie mir für meinen Blog stiftet. Und sie sagte mir nach einem wie immer wunderbaren Gespräch: Schreib doch was über diese vertanen Chancen oder verpassten Gelegenheiten.

Seit vier Tagen hab ich dieses Thema jetzt "aufm Schirm" und stellte fest: In meinem Leben gibt es sie kaum. Ich habe wirklich Schubladen aufgezogen. Privat, beruflich- irgendwo muss doch diese riesige, verpasste Gelegenheit versteckt sein. Ich fand solche Unsinnigkeiten wie: Bei einem meiner ersten Besuche in einem Freizeitpark hatte ich so große Angst, mit einem der wilderen Fahrgeschäfte zu fahren, dass mein Vater mit mir nach 30 Minuten Anstehen wieder zurück zum Eingang gehen durfte, weil ich mich weigerte, einzusteigen. Und ich habe mich die ganze Heimfahrt geärgert, dass ich mich nicht getraut habe. Denn meine Schwester schwärmte im Auto über die Maßen vom Hochgeschwindigkeitsritt. Und ganz wie Miri nun mal ist, wusste ich auch schon im leichten Zorn über meine unbegründeten Ängste: Beim nächsten Besuch hock ich mich da rein.

Nun gibt es im Leben aber Situationen, von denen Menschen sagen: Keine zweite Chance.

Viele dieser Menschen landen sogar tatsächlich bei Florian und mir in der Praxis.

Wir nennen das Leid, das durch dieses Gefühl einer verpassten Chance entsteht: Eines der klassischen Coaching-Anliegen.

Hier ist zum Beispiel dieser 38jährige, der immer wusste, dass er Schauspieler werden wollte und jetzt keine Möglichkeit sieht, sich noch an einer staatlichen Schauspielschule zu bewerben.

Oder die junge Mutter, die glaubt, dass sie ihren großen Traum vom eigenen Modelabel nicht wahr werden lassen kann, weil da jetzt dieses Kind ist, das ungeplant zur Welt kam und betreut werden will.

Übrigens fand ich sie nach einigem Nachgrübeln doch noch:

Meine "verpasste Gelegenheit"!

Ich bekam, es war 2004 im Januar, auf einer Reise in die Karibik das Angebot, in einer Open-Water -Delfinforschungssstation zu arbeiten. Und ich lehnte es damals ab- um mich in schwierigen Zeiten immer einmal wieder zu fragen: Was wäre gewesen, wenn ich damals, mit 29, einfach auf St. Lucia geblieben wäre? Vielleicht wäre ich unterdessen eine berühmte Buchautorin und Tierschützerin, die auf der ganzen Welt Projekte zum Schutz und zum Lernen von und mit Delfinen betreut.

Eine hochangesehene Spezialistin mit Know How, Kreativität, Optimismus, Witz und Charme, die für ihre Vorträge über das Zusammensein von Mensch und Delfin mit Geld überschüttet wird. Mit diesem Geld würde sie zum einen ein phantastisches Leben voller Reisen und Glückseligkeit führen, zum anderen wieder neue Delfinprojekte unterstützen und aus der Wiege heben- Ja, in den schwärzesten Augenblicken meines Lebens erinnerte ich mich gerne an den Moment, als mich ein heranwachsender Delfin im warmen Wasser, das die Kleinen Antillen umspült, persönlich einlud, mit ihm schwimmen zu gehen. Diese Bilder fühlen sich zuversichtlich an, großartig und offen, zukunftsweisend und sehr seelennah.

Bei der Vorbereitung auf dieses für mich sehr spannende Thema kam ich (auch und gerade im Gespräch mit Florian) auf zwei Hauptsächlichkeiten im Bereich "verpasste Chance" - und mittlerweile bestätigen Hirnforscher unsere These:

Es gibt ZWEI Arten von "verpassten Gelegenheiten":

Die einen sind die, in denen Menschen sich ENTSCHEIDEN etwas zu tun oder zu lassen und "bereuen" es später.

Die anderen sind die, die vermeintlich an Menschen vorbei rauschen, ohne dass sie Einfluss darauf haben.

Erstere, bei der Entscheidungen getroffen wurden, sind für mich und aus Sicht meines Welt-Bildes, kein echtes Thema.

Denn in dem Augenblick, in dem Menschen eine Entscheidung treffen, tun sie dies immer, weil es in diesem Moment und für sie persönlich gute Gründe dafür gibt. Punkt. Diese Gründe können sich im Nachhinein als Blödsinn heraus stellen- zum Zeitpunkt der Entscheidung waren sie relevant und damit war es die BESTE Entscheidung, die jener Mensch zu DIESEM Zeitpunkt treffen konnte.

Wenn der 30jährige mit 20 entschied, lieber etwas "richtiges" zu studieren, dann vielleicht, weil er noch sehr stark an die Meinung seiner Eltern oder Lehrer gebunden war oder weil er befürchtete, als Schauspieler nie selbstständig werden zu können oder weil er nicht glaubte, dass er den Anstrengungen des Berufs würde standhalten können oder er bekam bei der Schulaufführung der 8.Klasse die Rolle des Schmetterlings in "der Lindwurm und der Schmetterling" und es existiert bis heute brisantes Fotomaterial in einer der Negativ-Kisten seiner Mutter... .Und es ist am Ende egal, warum, er traf diese Entscheidung, weil er sie damals für die bessere Wahl hielt. Und damit war sie es auch.

Und wenn er heute, mit 38 Jahren, denkt, dass es für ihn keine Chance mehr geben könnte, ein professioneller Schauspieler zu sein, dann ist das ein sogenannter "Glaubenssatz", den er irgendwann irgendwo einmal gelernt hat. Vielleicht, weil staatliche Schauspielschulen oder "Deutschland sucht den Superstar" keine Schüler/ Kandidaten über 30 Jahren aufnehmen? Zack - einmal gelesen, schon ist es wie ein Gesetz. Menschen neigen an solcher Stelle gerne zu "Generalisierungen": "Wenn die staatliche Schauspielschule mich nicht nimmt, nimmt mich niemand!" (aaaaah) oder "Wer den staatlichen Abschluss nicht hat, aus dem wird nichts."

"(Frage: Wie viele Schauspielschulabsolventen stehen heute auf der Bühne des Wiener Burgtheaters? Und wie viele fahren Taxis, verkaufen schwedische Bücherregale oder sind Teleshoppingmoderatoren? Und wie viele Schauspieler sind berühmt, ohne jemals eine Schauspielschule von innen gesehen zu haben?)"

Vielleicht gibt es in Österreich andere Regelungen? Oder es gibt private Schulen, die Ü-30 Menschen ausbilden, wenn sie begabt sind. Oder er macht es wie Till Schweiger, den keine Schauspielschule haben wollte, und geht gleich nach Amerika und studiert dort im Lee Strasberg Institute das sogenannte "Method Acting".

Und bleibt gleich in Hollywood. Die machen eh spektakulärere Filme.

Wer nach Beweisen sucht, dass "es" trotzdem geht, findet sie. Und dann ist eine vermeintlich verpasste Gelegenheit plötzlich eine Chance, die Dinge flexibler zu nehmen und neue, andere Wegen zu finden. Ich frage die Menschen, die sich an mich wenden dann zum Beispiel: Gibt es irgendjemanden da draußen, der es trotzdem geschafft hat, das zu tun, von dem Du glaubst, dass es nun nicht mehr geht? Wie hat der- oder diejenige das gemacht?

Tipp: Wenn es in Deinem Leben um eine solche, sogenannte "verpasste" Gelegenheit geht und Du Dich bis heute immer einmal wieder fragtest, ob es nicht besser gewesen wäre, anders zu entscheiden, sind wir bei einem typischen Ausspruch meiner rheinhessischen Oma Gertrud: ";Hätte und Wäre sind arme Völker."

Erstens: Du hast in der Situation so entschieden, weil es zu diesem Zeitpunkt die beste Wahl darstellte. Also mach Deinen Frieden damit. Klingt merkwürdig, und ist total wahr. Prüfe es einfach einmal für Dich. Und zweitens: In 99,9 Prozent der Fälle, in denen Menschen sagen: Und jetzt ist es zu spät! stimmt das einfach nicht.

Sie haben nur noch nicht nach der Alternativlösung Ausschau gehalten. Oder mit den immer gleichen Verwandten und Freunden darüber gesprochen, die sich mit der Materie vielleicht gar nicht auskennen.

Finde Menschen, die es TROTZDEM geschafft haben. Finde Menschen, die das erreicht haben, was Du Dir wünschst.

WIE haben die das hin bekommen? WAS haben sie anders gemacht als Du? Hier ist die Lösung eher zu finden, als in alten Glaubenssätzen staatlicher Schauspielschulen.

Natürlich könnte ich mich auch jetzt, mit 43 Jahren, dazu entscheiden, mir eine Delfinforschungsstation zu suchen, die mich als Mitarbeiterin nimmt. Öffentlichkeitsarbeit/PR, Texterin für die Homepage, Touristenrundführerin - irgendeinen Job haben die schon für mich. Zur Not würde ich ihnen anbieten, ihr selbstgekochtes Fischfutter bei einem Homeshoppingsender anzubieten - wer weiß? Vielleicht großes Kino.

Ich würde weniger Geld verdienen, ja, vielleicht. Dafür lebte ich auf irgendeiner sonnigen Insel. Meine Kinder würden in eine karibische Schule gehen und binnen kürzester Zeit fließend englisch und französisch sprechen. Und ich könnte mein erstes Buch schreiben und eine berühmte Autorin werden.

Nur hatte ich noch nie wirklich den Wunsch nach einem solchen Leben. Wenn ich in mich hinein spüre, dann zwizzelt es ein bisschen bei dem Gedanken, ein Buch zu schreiben. Ja, das könnte ich mir vorstellen. Und ansonsten bin ich hier in Deutschland glücklich. In meinem verrückten Fernsehsender, mit all den turbulenten Veränderungen in meinem Leben, mit meinem Beruf als Trainerin, in dem ich Menschen die wunderbare Kommunikationsform des NLP beibringen darf.

Und ich bin glücklich mit den Bergen und der Nordsee, die sich ab und an und regelmäßig ihren sonnenölgetränkten Badegästen entzieht und meditieren geht und mit den wunderbaren Menschen, die mich unmittelbar umgeben.

Alles in Allem sind es also keine "verpassten Gelegenheiten", sondern Entscheidungen, die aus einer bestimmten Option oder aus damals wichtigen Gründen und Ideen heraus getroffen wurden. Und jeden Tag gilt es, neue Entscheidungen zu treffen.

Was ist nun mit den vermeintlich "unveränderbaren" Dingen.

Kennst Du meine Blog-Posts?

Ich habe mich damit schon häufig auseinandergesetzt. Also sagen wir, mit dem, was viele Menschen da draußen gemeinhin als "Schicksal", "Glück" oder "Pech" bezeichnen würden.

Denn WARUM haben wir die Gelegenheiten nicht gesehen, die wir im Nachhinein als "verpasst" deklarieren?

In Janosch's Kinderbuch "Oh wie schön ist Panama" wird drei mal während der Geschichte eine Flaschenpost mit einer Schatzkarte vom Fluss am kleinen Bär und am kleinen Tiger vorbei gespült. Der Autor macht sogar darauf aufmerksam, dass dies geschieht.

Doch der Bär und der Tiger sind gerade mit ganz anderen, spannenden Dingen befasst und sehen die Flaschenpost nicht. NUR der Leser sieht sie. Und denkt sich: HEEEEE, IHR ZWEI, greift zu!! Dann könntet Ihr verdammt noch mal nach Panama fliegen, statt zu laufen!!

Der Bär und der Tiger retten lieber einer Gans das Leben oder erfinden die Briefpost oder träumen von ihrem Leben unter Bananenstauden. Sie sind glücklich mit ihrer Reise und mit dem Ausgang der Geschichte. Einen Schatz haben sie am Ende auch ohne Flaschenpost geborgen. Auf ihre Weise eben. Und hätten die beiden die Flaschenpost bemerkt, hätten sie uns nie die zauberhafte Geschichte von ihrer Reise nach Panama erzählen können...

Diese Metapher lässt sich auf alles mögliche anwenden:

Vielleicht ist da diese Krankheit, die dafür sorgt, dass tolle Gelegenheiten an Menschen vorüber rauschen und sie können sie nicht "beim Schopfe fassen", weil sie gerade mit Krankenhausaufenthalten beschäftigt sind.

Oder Nachrichten, die zu spät ankommen.

Manche Menschen scheinen ja IMMER zur falschen Zeit unter den falschen Umständen am falschen Ort zu sein. Das sind einfach Pechvögel - und fühl mal in Dich hinein, während Du das liest - stimmt das?

Also, nicht dass wir uns falsch verstehen: Mit einem gebrochenen Fuß mag es schwer sein, den Iron Man zu überstehen- äh- zu laufen, geschweige denn, ihn zu gewinnen.

Den Diesjährigen.

Aber wenn in zwei Jahren alles geheilt ist und das Trainingspensum wieder stimmt? Es gibt Sportler, die hatten schlimme Krankheiten und sind dann Sieger der Tour de France geworden.

Es gilt, nach guten Vorbildern zu fahnden. Auch in Extremsituationen. Denn eine "verpasste Gelegenheit" hat vielleicht in dem Augenblick, in dem sie geschah, auch Vorteile.

Christian Bischoff, ein sehr erfolgreicher Sportler, sagte für mich zwei wesentliche Dinge zum Thema "verpasste Gelegenheiten", die ich hier frei zitiere:

"Du bist was Du bist aufgrund der Entscheidungen, die Du bis jetzt in Deinem Leben getroffen hast. Und da ist schon viel Gutes dabei!"

(Übersetzung: Jede Entscheidung, die Du triffst oder jede vermeintlich verpasste Gelegenheit prägt Dich und trägt zu Deiner Entwicklung bei. Du wärst nicht die- oder derjenige, der Du heute bist, wenn es damals anders gelaufen wäre. Und wenn es nur gut dafür war, dass Du Stärke entwickeln konntest. Oder dass Du eine spannende Geschichte für Deine acht Enkel in Petto hast. Oder so.)

UND

"Wenn Du eine Entscheidung getroffen hast, kümmere Dich einfach darum, dass es die beste Deines Lebens wird."

(Übersetzung: Beweg Deinen A... ! - oh, Entschuldigung. Poetische Variante: Nimm die Entscheidungen, die Du triffst oder die vermeintlich unveränderteren Gegebenheiten, an der Hand und führ sie auf den höchsten Berg in Deiner Nähe und genießt zusammen die Aussicht. Tu etwas dafür, dass diese Wahl die genau RICHTIGE Wahl war. Schenk ihr zur Not erst einmal ein Lächeln. Der Rest ergibt sich dann.)

Ich wünsche Dir Wachheit, damit Du die vielen, tollen Gelegenheiten wahrnimmst, die täglich mit Schwung und Schmackes vor Dir auftauchen und uns förmlich anbrüllen: HIER BIN ICH! MACH WAS AUS MIR, und wenn es ein LÄCHELN ist! Vor allem aber wisse, dass das, was Du aus mir machst, immer nur das richtige sein kann.

Und ich freue mich auf Dein Feedback.

Ganz liebe Grüße,

Deine Miriam