Was "bedrückt" Dich? Das große "Problem-Aufräumkommando" - und geht das?

14.12.2017

Wir haben eine Hauswirtschaftskammer. Das ist megapraktisch. Sie ist architektonisch bewusst unmittelbar an die Küche angeschlossen und soll nebst Waschmaschine Regale für Lebensmittel, Putzutensilien und jahreszeitliche Dekorationsartikel beherbergen. So weit, so normal.

Da mindestens vier Menschen in unserem Haushalt das Potential dieses kleinen Raumes längst entdeckt haben - und das maximale Fassungsvermögen einer solchen Kammer offenbar challengen möchten, stopft gefühlt ein jeder Bewohner unseres Hauses in diese Kammer hinein, was in seinem eigenen Zimmer gerade im Weg ist.

Seit drei Jahren.

Genau so sah diese Kammer bis vorgestern aus. Also, die Tür lies sich gerade noch öffnen und mit viel Balance-Vermögen kam ein gut trainierter Mensch mit schlanker, athletischer Gestalt gerade noch zur Waschmaschine durch. Dort, wo früher ein Gang zwischen Haushaltsregalen war, standen nun noch nicht aufgebaute Hemnes-Regale vom schwedischen Möbeldiscounter, Outdoor-Spiele inklusive einer vollständigen Slackline-Anlage, Taschen mit zu klein gewordenen Hosen, verschiedene, ausgediente Kaffee- und Tee-Automaten, die "irgendwann mal repariert werden würden sollten könnten" und elektronische Highlights, die dringend angeschafft, und dann doch nie montiert werden mussten.

Manche Familien haben in der Küche eine Messi-Schublade, die nur dazu dient, unnütze Dinge noch nicht wegzuwerfen. So eine Art Vorhölle also.

Wir hatten uns einen ganzen Raum zugelegt, der diese Idee performte. AAAAAH.

Immer, wenn ich zum Wäschewaschen in die "Kammer des Schreckens" ging, veratmete ich vorher Gedanken wie "Klaustrophobie ist nur ein Wort" oder "irgendwann verkaufe ich Eintrittskarten für diesen Parcours auf engstem Raume".

Vorgestern war es soweit. Ich beschloss, dem physikalischen Darlegungsversuch diverser Chaos-Theorien in unserer Wäschekammer ein Ende zu bereiten und schenkte dem Raum, der gerne wieder ein Hauswirtschaftszimmerlein sein wollte, einen ganzen Tag meines Lebens. Ja, ich entschied das bewusst. Ich wollte wieder ohne Schutzkleidung bis zur Waschmaschine gehen können. Der Gedanke an einen freien Zubringer zum Vollwaschgang beflügelte mich.

Viele starten solche Aktionen ja im Februar oder März und nennen es Frühjahrsputz. Ich fand den Gedanken großartig, das im Dezember, kurz vor Weihnachten anzugehen. Ein Winterputz.

Dabei war ich - logischerweise - ganz schön auf mich und meine Gedanken fokussiert. So ein Entrümpeln ist in meiner Welt keine große, logische Denkaufgabe. Es ist eher ein: Brauchen wir nicht, brauchen wir nicht, brauchen wir nicht, brauchen wir nicht... oder: Oh: Verfallsdatum im August 2015 abgelaufen... ich hatte viel Gelegenheit zum Grübeln und Nachdenken.

Ich sinnierte also über die Themen, die mich gerade bewegen. Eines davon war zu diesem Zeitpunkt recht vordergründig in meinem Kopf und sehr zentral und ich hätte es vor einigen Jahren noch als "großes Problem" betituliert. Ich hatte mir während der letzten Wochen viele Gedanken dazu gemacht. Trotz meiner vielen Ausbildungen im Bereich Mind-Setup hatte ich, während ich darüber grübelte, ein flaues Gefühl im Bauch. Irgendwo zwischen Angst und Enttäuschung und ich hatte bis zum Tag in der Kammer des Schreckens noch keine Idee gefunden, wie ich das Thema für mich lösen sollte.

Kennst Du diese bräsigen, doofen "Probleme", die irgendwie in der Luft vor einem herwabern oder irgendwo in der Magengrube lauern und eins, zwei oder mehrfach am Tag den Weg ins Gehirn finden? Dann denken viele Menschen über diese Themen nach, manchmal kurz, manchmal länger, manchmal nachts (und schlafen dann nicht ein). Viele würden das "Sorgen", "Probleme" oder "Herausforderungen" nennen. Solche Themen können sich sehr unterschiedlich anfühlen. Klar - die "Sorgen" sind ja auch mal kleiner, mal größer.

Während ich mich also von niemals aufgehängten Ikea-Deckenleuchten über nicht mehr verwendete Bettenbezüge (weil im Format nicht mehr passend, überleg mal, so'n Zeuch haben wir jahrelang gehortet!!) bis zur Abteilung "uralte Lebensmittelkonserven" vorwühlte, fragte ich mich, wie ich es nun auch noch hinbekommen könnte, bis zum Weihnachtsfest dieses doofe Gefühl und das in der Luft wabernde Problem los zu werden.

Lustig, was mein Gehirn in solchen Fällen macht: Das geht nicht, da habe ich ja gar keinen Einfluss drauf, das Problem ist auch viel zu groß, als dass ich es an einem Nachmittag lösen könnte, dazu müsste ein kleines Wunder geschehen... und so weiter und so weiter. Der klassische, innere Dialog, wenn auf den ersten Blick keine Lösung in Sicht ist. So ging das in meinem Kopf früher bei mir übrigens ständig ab.

Ich neige in solchen Situationen zu allem Überfluss auch noch zu Selbstgesprächen. Wenn mir während des Aufräumens und Sortierens jemand zugehört hätte - witzig wäre es geworden, mindestens.

"Haaach, das ist auch echt ein großer Mist. Und so wird das schon mal gar nix. Da kann mir auch keiner helfen. Ich mag ja noch nicht mal mit jemandem darüber sprechen... bla bla bla bla bla."

Und dann, dann fiel mir ein, wie ein systemischer Berater mir vor Urzeiten mal erklärt hatte, wie er mit seinen oft noch viel heftiger problematisierten Patienten und Klienten an solche Wutzen-Probleme dran geht - einfach nur, damit es diesen Menschen ein wenig besser geht.

Er fragt sie, ob sie ihrem Problem, wenn sie dran denken, einen Ort zuweisen können, wo sie es fühlen. Das kann quasi überall sein. Im Körper irgendwo... manche spüren einen zugezogenen Hals, wenn sie an ihr Problem denken, manchen liegt es "wie eine Last auf den Schultern", manche spüren es eher im Magenbereich, oder in der Brust, seltener wohl in den Füßen... aber das soll auch schon vorgekommen sein. Manche fühlen ihr Problem auch außerhalb ihres Körpers. Über sich wabernd oder hinter sich herschwirrend oder vor sich stehend... ich habe dieses Experiment dann einfach mal in der Kammer des Schreckens gemacht. Zeit hatte ich ja dafür.

Ich konzentrierte mich also kurz weg vom Gerümpel hin zu meinem Thema. Es dauerte nur Millisekunden, bis ich das volle Repertoire an schlechten Gefühlen wieder auf dem Schirm hatte, mit dem ich seit Wochen "schwanger" ging. Hier war es. Mein Problem.

Und dann fokussierte ich ganz bewusst, wo ich es genau fühle. Erst dachte ich: ÜBERALL! Dann merkte ich, dass das Epizentrum meines Themas deutlich in meinem Bauch zu fühlen war. "Schwanger" war also gar kein so verkehrtes Wort gewesen.

Der Therapeut und Trainer damals hatte gesagt, dass ich nach der Lokalisierung des Problemgefühls behutsam dran gehen darf, das Problem mal an einen Platz zu schieben, wo es nicht so stört. Also zum Beispiel in meinem Fall vom Bauch.... hm... wohin? irgendwie dachte ich: Ich schiebe es mal in Richtung Füße... das habe ich dann auch gemacht. Wohlgemerkt: Alles nur imaginär - also in meinem Kopf.

LEUTE! Das war ein ganz, ganz seltsames Ding. Ich schob es Stückel für Stückel dem Erdboden entgegen. Und als ich es etwa Höhe Oberschenkel Mitte hatte, musste ich unwillkürlich lachen! Das war soooo schräg! Ich meine: Erzähl das mal jemandem (außer Euch, Ihr seid ganz zauberhafte Leser und kennt mich sowieso schon gut). Wir sprechen hier von einem Problem, das mir früher eine Magenschleimhautentzündung verursacht hätte. Mindestens!

Und was mache ich, während ich in einem Berg von Umzugskartons und Müllsäcken stehe? Ich schiebe mal eben ein wirklich ätzendes Gerät von Problem vom Bauch in die Oberschenkel. Und da genau an dieser Stelle mein Lachkrampf einsetzte, dachte ich: Dann ist dort ein guter Platz dafür. Ich lass es da sitzen. Und dann mal sehen...

Das funktioniert laut des systemischen Beraters übrigens mit jedem Problem. In oder ausserhalb eines jeden menschlichen Körpers. Du bist herzlich eingeladen, diese kleine Übung einfach mal zu machen. Vielleicht wählst Du für den Anfang eins der kleineren Probleme aus. Ich frage mich jetzt schon, wie schnell Du fühlst, wo genau sich das Epizentrum des Themas bei Dir befindet. Und klar freue ich mich über Feedback hier unter diesem Post.

Wichtig: Natürlich hat sich das Problem inhaltlich damit noch nicht ganz gelöst. Fakt ist auch: An diesem Abend lag ich nicht im Bett und grübelte über das Problem nach, ich kicherte, als ich daran dachte. Warum? Weil es in meinem Oberschenkel ruhte. Das Thema. Der Gedanke schien mir so absurd, dass ich tatsächlich laut gluckste, als mein Gehirn, wie gewohnt, die Themen des Tages noch einmal aufarbeiten wollte. Es ging mir also einfach besser mit dem Thema.

Dass ich bereits am nächsten Tag eine neue Idee hatte, wie ich das Problem final lösen kann, sei ein individuelles Einzelergebnis. Ich für meinen Teil beschloss unmittelbar, noch vor Weihnachten mit all den kleinen und großen Jammertälern in meinem Leben auf diese Weise zu verfahren.

Im Grunde habe ich vorgestern doppelt entrümpelt.

Die Hauswirtschaftskammer hat nicht nur wieder einen Zugang zur Waschmaschine - nein - sie sieht richtig schick aus. Wenn ich aufräume, dann mache ich das nämlich vollständig. Und ich bin megastolz auf mich. Im Grunde ist sie jetzt der ordentlichste Raum im Haus. Vielleicht übernachte ich bei Gelegenheit mal darin.

Und das Problem, das mich umtrieb? Ist keines mehr. Zumindest fühlt es sich nicht mehr so an. Es ist zu einem "Thema" zusammengschmörkelt, das ich gerade bearbeite. Mich hat das daran erinnert, dass ich mir schon lange selbst kein großes Weihnachtsgeschenk mehr gemacht hatte. Jetzt dann wohl doch...

Danke für's Mitlesen und Mitemtrümpeln und bis nächste Woche...

Miriam